Siena, Italy · Italy
Contraden von Siena - Die Stadt der 17 kleinen Länder
Fragen Sie in Siena jemanden, woher er kommt, und Sie hören vielleicht zuerst von einer Gans, einer Schnecke oder einer Wölfin. Die Altstadt besteht aus 17 kleinen Territorien, jedes mit Fahne, Kirche, Brunnen und ausgeprägtem Selbstbewusstsein.
Veröffentlicht am 14. Oktober 2026
Fragen Sie in Siena jemanden, woher er kommt, und Sie hören vielleicht von einer Gans, einer Schnecke oder einer Wölfin, bevor der Name der Stadt fällt. Hier gehört man zuerst zu seinem Viertel und erst dann zu Siena. Das sind die **Contraden von Siena**, erklärt auf einem einzigen Spaziergang. Die Altstadt ist in 17 kleine Territorien aufgeteilt, jedes mit eigener Fahne, eigener Kirche, eigenem Brunnen und einem ausgeprägten Selbstbewusstsein. Wer drei Dinge weiß, sieht die Stadt plötzlich mit anderen Augen. Was eine Contrada ist. Wie man sie erkennt. Und wo man ihre Welt an einem ganz normalen Wochentag erlebt, fernab vom Trubel der Renntage.
Was ist eine Contrada und warum hat Siena 17 davon?
Also, **was ist eine Contrada**? Eine Contrada ist einer der 17 historischen Bezirke Sienas, jeder mit eigenem Gebiet, eigenen Farben, Wappen, Kirche, Museum und Brunnen. Zugleich ist sie eine eng verbundene Gemeinschaft, deren Mitglieder traditionell am Brunnen des Viertels getauft werden. Die Grenzen sind bis auf die Straßenseite genau festgelegt, und jede Contrada hat ihren Vereinssitz, in dem die Mitglieder gemeinsam essen, streiten und planen. Stellen Sie sich eine Pfarrgemeinde, einen Sportverein und eine Großfamilie in einem vor.
Im Mittelalter hatte die Stadt viel mehr Bezirke. Im Lauf der Jahrhunderte schlossen sich mehrere zusammen oder verschwanden, und ein Erlass aus dem 18. Jahrhundert unter Violante von Bayern, damals Statthalterin von Siena, legte die Grenzen der 17 verbliebenen fest. Diese 17 Bezirke Sienas sind seither unverändert geblieben.
Die Zugehörigkeit beginnt früh. Die **Contrada-Taufe** ist ein weltliches Ritual am Brunnen des Viertels, getrennt vom kirchlichen Sakrament. Ein Kind, manchmal auch ein Erwachsener, der in die Gemeinschaft hineingewachsen ist, wird mit Brunnenwasser besprengt und in das Halstuch der Contrada gehüllt. Von diesem Moment an gelten die Farben ein Leben lang.
Wie prägen die Contraden den Alltag?
Die Contraden prägen den Alltag, indem sie Straßen in Wohnzimmer verwandeln. Wer an einem warmen Abend durch die **Stadtviertel von Siena** schlendert, stößt vielleicht auf lange Tafeln in einer Gasse, an denen hundert Menschen unter Lichterketten Pasta teilen. Diese gemeinsamen Abendessen finanzieren die Arbeit des Viertels und halten alle zusammen.
Jede Contrada verwaltet sich selbst über gewählte Ämter, meist ein Oberhaupt und einen Rat aus Mitgliedern, dazu ein Capitano, der sich um das Pferderennen kümmert. Freiwillige kümmern sich um Kirche, Museum und die älteren Bewohner. Kinder wachsen damit auf, die Lieder des Viertels zu lernen, die Trommel zu schlagen und auf kleinen Plätzen das Fahnenschwingen zu üben.
Rivalität gehört fest dazu. Die meisten Viertel haben einen traditionellen Gegner, und Spottlieder wie alte Feindschaften werden sehr ernst genommen. Ihren Höhepunkt erreicht diese Rivalität beim Palio, dem Pferderennen ohne Sattel, das jeden Sommer zweimal auf dem Hauptplatz ausgetragen wird. Die **Contraden des Palio von Siena** kämpfen um ein bemaltes Seidenbanner und um das Recht, bis zum nächsten Rennen damit anzugeben. Den Rest des Jahres geht es jedoch um Zugehörigkeit.
Woran erkennt man, in welcher Contrada man ist?
Man erkennt die Contrada an ihren Farben und ihrem Tier. Jedes Viertel hat ein Wappen, und die Namen lesen sich wie ein mittelalterliches Bestiarium. Die vollständige Liste lautet Aquila, Bruco, Chiocciola, Civetta, Drago, Giraffa, Istrice, Leocorno, Lupa, Nicchio, Oca, Onda, Pantera, Selva, Tartuca, Torre und Valdimontone. Das heißt Adler, Raupe, Schnecke, Eule, Drache, Giraffe, Stachelschwein, Einhorn, Wölfin, Muschel, Gans, Welle, Panther, Wald, Schildkröte, Turm und Widder.
Die Fahnen liefern den ersten Hinweis. Achten Sie auf eiserne Halterungen neben den Fenstern und an Laternenmasten, besonders in der Nähe der Kirche des Viertels. Dann schauen Sie höher. Kleine Keramik- oder Steintafeln mit dem Wappen markieren die Grenzen, oft in eine Hauswand an der Ecke zweier Gassen eingelassen. Ein einziger Schritt kann Sie von der Schnecke zur Schildkröte bringen.
Eine gute Angewohnheit ist es, das Handy wegzustecken. Die meisten Wappen hängen über Augenhöhe, und der Reiz liegt darin, sie selbst zu entdecken. Auch manche Brunnen tragen das Wappen, etwa die bronzene Schildkröte bei der Kirche der Tartuca oder Welle und Delfin der Onda.
Wo erlebt man das Contrada-Leben außerhalb der Renntage?
Das Contrada-Leben erleben Sie an jedem beliebigen Tag, wenn Sie vom Zentrum nach außen gehen. Beginnen Sie auf der **Piazza del Campo**, dem muschelförmigen Platz, auf dem sich alle 17 Viertel auf neutralem Boden begegnen. Dahinter bilden der Palazzo Pubblico und die Torre del Mangia die bürgerliche Kulisse. Der Campo gehört niemandem und allen, und genau deshalb findet das Rennen hier statt.
Nehmen Sie vom Campo aus eine beliebige enge Gasse bergab. Schon nach wenigen Minuten wechseln die Fahnen ihre Farbe. Jedes Viertel unterhält eine Kirche und ein Museum voller Banner, Kostüme und alter Trophäen. Die **Contraden-Museen** sind das beste Fenster in diese Welt, doch viele öffnen nur zu festen Zeiten oder nach Vereinbarung. Das [offizielle Tourismusportal der Region](https://www.visittuscany.com/en/ideas/contrada-museums-in-siena/) listet sie auf, und ein Blick vorab lohnt sich.
Brunnen sind das soziale und rituelle Herz jedes Viertels. Unten im Gebiet der Oca liegt der mittelalterliche, von Bögen überspannte **Fontebranda** unterhalb des Heiligtums der heiligen Katharina, die in diesem Viertel geboren wurde. Stellen Sie sich unter seine gotischen Bögen, und Sie verstehen, warum sich Sieneser Familien hier über Jahrhunderte trafen. Wasser, Klatsch und Treue flossen alle aus derselben Quelle.
Ist es respektvoll, eine Contrada zu besuchen und zu fotografieren?
Eine Contrada zu besuchen ist respektvoll, solange Sie sich wie ein Gast in einem fremden Zuhause benehmen. Es sind lebendige Viertel, und ihre Mitglieder nehmen sie ernst. Sprechen Sie leise in der Nähe von Kirchen und Vereinssitzen. Berühren oder verschieben Sie niemals eine Fahne, selbst wenn sie in Reichweite hängt. Fragen Sie, bevor Sie Menschen fotografieren, vor allem Kinder im Kostüm oder Mitglieder bei einem privaten Abendessen. Tragen Sie nicht zum Spaß das Halstuch oder die Farben eines Viertels in ein anderes, denn die Farbe eines Rivalen kann echte Kränkung auslösen. Neutrale Kleidung und etwas Neugier funktionieren am besten. Wenn Sie einen Museumsaufseher oder einen Anwohner beim Fegen der Türschwelle sehen, fragen Sie nach dem Wappen darüber. Die meisten Sienesen sind stolz auf ihr Viertel und erzählen gern seine Geschichte, oft mit ein paar Seitenhieben auf die Nachbarn als Zugabe.
Dieselbe Höflichkeit gilt an Renntagen, wenn die Emotionen hochkochen. Zuschauen, genießen und Abstand lassen.
Wo Sie das selbst erleben können
Der Ort ist Siena, und für den Anfang reicht ein gemütlicher halber Tag. Tragen Sie bequeme Schuhe. Die Straßen sind steil, mit Stein gepflastert und nach Regen rutschig. Morgens ist das Licht für Fotos weicher und die Gassen sind ruhiger, bevor die Tagesausflügler eintreffen.
Für Führungen und Informationen zum Rennen sind die [städtischen Palio-Seiten](https://www.comune.siena.it/tutti-gli-argomenti/palio) die offizielle Quelle der Stadt.
Ein schöner Plan ist es, einen Contraden-Spaziergang mit dem Domkomplex zu verbinden. Buchen Sie über die [Website der Kathedrale](https://operaduomo.siena.it/en/), steigen Sie dann vom Duomo hinab in die umliegenden Gassen und zählen Sie die Fahnen. Die Kathedrale ist der gemeinsame Schatz der Stadt. Die Viertel zu ihren Füßen zeigen, wer diesen Schatz lebendig hält.
Bereit für Ihren eigenen Spaziergang durch Siena?
Erstellen Sie Ihre eigene Reiseroute mit Keptour, indem Sie die Orte hinzufügen, die Ihnen ins Auge fallen, sie auf Tage verteilen und den Plan mit Ihren Mitreisenden teilen. Wenn Sie erst wissen, worauf Sie achten müssen, wird jede Gasse in Siena zu einem kleinen Land mit eigener Geschichte. Gehen Sie langsam, schauen Sie nach oben und lassen Sie sich von den Fahnen leiten.
![Eine Probe für den Palio in Siena[cite: 19]](https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/68/Rehearsal_for_the_Palio._Contrade_Civetta_%28Little_Owl%29._Siena%2C_Italy.jpg/1280px-Rehearsal_for_the_Palio._Contrade_Civetta_%28Little_Owl%29._Siena%2C_Italy.jpg)
![Eine Probe des Palio di Siena[cite: 19]](https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/07/Palio_di_Siena_-_Assunta_2011_-_Torre_2.jpg/1280px-Palio_di_Siena_-_Assunta_2011_-_Torre_2.jpg)
![Via dei Montanini in Siena, Italien[cite: 19]](https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e4/Italy%2C_Siena%2C_Via_Dei_Montanini_BW_2021-09-24_08-48-25_1.jpg/1280px-Italy%2C_Siena%2C_Via_Dei_Montanini_BW_2021-09-24_08-48-25_1.jpg)
![Piazza del Campo mit dem Palazzo Pubblico in Siena, Italien[cite: 19]](https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/26/Italy_Siena_Piazza_del_Campo_BW_2021-09-23_15-11-48_1.jpg/1280px-Italy_Siena_Piazza_del_Campo_BW_2021-09-23_15-11-48_1.jpg)
![Der Dom von Siena, Toskana, Italien[cite: 19]](https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7c/Duomo_di_Siena-9635.jpg/1280px-Duomo_di_Siena-9635.jpg)
![Balkone in der Via del Camporegio in Siena, Italien[cite: 19]](https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/ab/Italy%2C_Siena%2C_Via_del_Camporegio_BW_2021-09-24_09-32-59.jpg/1280px-Italy%2C_Siena%2C_Via_del_Camporegio_BW_2021-09-24_09-32-59.jpg)